Im Frühjahr begab sich die Gemeinde auf einen spirituellen Spaziergang zur Jahreslosung 'Siehe, ich mache alles neu'.

Im Frühjahr begab sich die Gemeinde auf einen spirituellen Spaziergang zur Jahreslosung "Siehe, ich mache alles neu".

Bild: Obernöder

Kirche im Wandel

"Wir wollen raus aus der Komfortzone"

Wie die evangelische Kirchengemeinde Iphofen mit dem »Hoffnungsfunken-Gottesdienst« Menschen neu zusammenbringen will.

Es beginnt nicht mit Glockengeläut und auch nicht unbedingt in der Kirche. Manchmal beginnt es zwischen Weinbergen am Feuer, mit Glühwein in der Hand und Saxofonklängen in der Winterluft. Manchmal bei einem Frühlingsspaziergang, wenn Menschen draußen stehen bleiben und sich fragen: "Was ist denn da los?" Und bald vielleicht bei einem Cocktail, dessen Zutaten plötzlich etwas über das eigene Leben erzählen.

Der "Hoffnungsfunken-Gottesdienst" der evangelischen Kirchengemeinde Iphofen ist weit mehr als ein neues Gottesdienstformat. Er ist der Versuch, Gemeinde neu zu denken: offener, beweglicher, näher am Leben. Vor allem aber soll er Menschen wieder miteinander ins Gespräch bringen. "Wir wollten einmal im Monat einen anderen Gottesdienst machen – losgelöst vom Obernöder. Zwei Stunden später endet der Abend meist nicht abrupt, sondern beginnt eigentlich erst richtig. Essen, Getränke, Gespräche gehören inzwischen fest dazu. Sonntagvormittag, in ganz anderer Form, um einfach auch andere Leute anzusprechen", erzählt Kirchenvorständin Anja Obernöder. Daraus entstand kein starres Konzept, sondern etwas, das sich eher wie eine Bewegung entwickelt.

"Wir wollten einmal im Monat einen anderen Gottesdienst machen – losgelöst vom Obernöder. Zwei Stunden später endet der Abend meist nicht abrupt, sondern beginnt eigentlich erst richtig. Essen, Getränke, Gespräche gehören inzwischen fest dazu. Sonntagvormittag, in ganz anderer Form, um einfach auch andere Leute anzusprechen", erzählt Kirchenvorständin Anja Obernöder. Daraus entstand kein starres Konzept, sondern etwas, das sich eher wie eine Bewegung entwickelt.

Denn beim Hoffnungsfunken geht es nicht nur um Liturgie. Es geht um Begegnung. Um Gemeinschaft. Um das Gefühl, dass Kirche mehr sein kann als ein fester Ablauf zwischen Orgelvorspiel und Schlusssegen.

Auch in der Iphöfer Spitalkirche wird gefeiert.

Bild: Fechner

Auch in der Iphöfer Spitalkirche wird gefeiert.

Deshalb findet der Hoffnungsfunken immer an einem Samstag im Monat um 17 Uhr statt. Die Uhrzeit ist bewusst gewählt. "Da kann man vorher noch arbeiten am Samstag und hat danach noch Zeit, wegzugehen", sagt Obernöder. Zwei Stunden später endet der Abend meist nicht abrupt, sondern beginnt eigentlich erst richtig. Essen, Getränke, Gespräche gehören inzwischen fest dazu.

"Das hat sich gezeigt, dass das eigentlich gewünscht ist", erzählt Gemeindepfarrerin Raffaela Meiser. "Die Leute bleiben gerne noch da, trinken etwas, essen Snacks und unterhalten sich." Deshalb gibt es inzwischen nach jedem Hoffnungsfunken etwas Passendes zum Thema: Glühwein und Tee im Advent, Frühlingsbrote mit Schnittlauch und Radieschen nach dem Spaziergang durch die erwachende Natur. Jeder Abend hat eine andere Idee. Genau das macht den Reiz aus. Schon der erste Hoffnungsfunken im Advent 2025 führte hinaus in den Wald – weg vom klassischen Kirchenraum. Menschen standen am Feuer, hörten Texte, tranken Glühwein, aßen Plätzchen. "Viel Gemeinschaft, viel Gefühl für die Weihnachtszeit", erinnert sich Obernöder.

Es folgte ein Taizé-Gottesdienst, dann ein Abend mit neuen Liedern aus dem Gesangbuch "Kommt atmet auf", bei dem bewusst moderne Hoffnungslieder im Mittelpunkt standen. "Es muss nicht immer der Choral aus dem 15. Jahrhundert sein", sagt Meiser lachend. "Gemeinsam singen macht einfach Spaß." Die Konfirmanden gestalteten einen Hoffnungsfunken zum Thema Talente. Fußballer zeigten ihre Fähigkeiten per Video statt zwischen Kirchenbänken. Im Frühjahr zog die Gemeinde schließlich hinaus auf einen spirituellen Spaziergang zur Jahres- losung "Siehe, ich mache alles neu". Dabei entstand einer jener kleinen Momente, die hängen bleiben: Menschen sangen draußen auf der Straße, während Nachbarn auf ihren Balkonen saßen und neugierig lauschten. Vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Kraft des Formats: Kirche wird sichtbar außerhalb ihrer Mauern. Und doch bleibt der geistliche Kern erhalten. "Es gibt immer ein Gebet, immer das Vaterunser und immer einen Segen", betont Meiser. Auch das gemeinsame Lied "Meine Hoffnung und meine Freude" gehört inzwischen fest dazu.

Besonders gespannt blickt das Team auf den geplanten Cocktail-Gottesdienst im Sommer. Was zunächst nach lockerer Sommerparty klingt, hat einen tieferen Gedanken. Die Cocktails sollen dort für unterschiedliche Lebenszutaten stehen. Die Minze für Erfrischung. Der Orangensaft für Freude. Der Sprudel für alles, was im Leben prickelt. »Welcher Cocktail spiegelt eigentlich mein Leben wider?«, beschreibt Meiser die Idee dahinter. Es gehe darum, über Hoffnung, Frieden und Sehnsucht ins Gespräch zu kommen – ohne klassische Predigtform. Weniger Andacht, mehr Begegnung. Weniger Frontalveranstaltung, mehr gemeinsames Nachdenken.

"Welcher Cocktail spiegelt eigentlich mein Leben wider?", beschreibt Meiser die Idee dahinter. Es gehe darum, über Hoffnung, Frieden und Sehnsucht ins Gespräch zu kommen – ohne klassische Predigtform. Weniger Andacht, mehr Begegnung. Weniger Frontalveranstaltung, mehr gemeinsames Nachdenken.

Gerade diese Offenheit unterscheidet den Hoffnungsfunken von vielen sogenannten alternativen Gottesdiensten. Denn hier entsteht keine Parallelgemeinde. Der Sonntagsgottesdienst fällt an diesem Wochenende bewusst weg. Alle sollen eingeladen sein, nicht nur eine kleine "Szene" innerhalb der Gemeinde. "Wir wollen unsere Gemeindegruppen wieder mehr vernetzen", sagt Obernöder. "Nicht nur Konfis hier, Kirchenvorstand dort oder Chor irgendwo anders – sondern wieder das Gefühl: Wir sind gemeinsam Gemeinde."

Dahinter steckt auch eine Reaktion auf eine Welt, die viele Menschen zunehmend als belastend empfinden. Kriege, Krisen, tägliche schlechte Nachrichten – all das war Ausgangspunkt für die Frage: Was brauchen Menschen eigentlich gerade? "Wir haben gesagt: Eigentlich brauchen die Menschen Hoffnung", erzählt Meiser. Dabei fiel der Blick auf das Leitbild der Gemeinde: "Glaube leben – Hoffnung geben." Plötzlich wurde daraus mehr als nur ein Satz auf Briefpapier. "Ein Funke soll ja etwas entfachen", sagt die Pfarrerin. "Der Hoffnungsfunke soll Mut entfachen. Lebensmut. Gottvertrauen."

Vielleicht ist genau das der Grund, warum dieses Projekt Menschen berührt. Weil hier nicht versucht wird, Kirche künstlich hip zu machen. Sondern weil Menschen ehrlich danach suchen, wie Glaube heute Gemeinschaft stiften kann. Und weil dabei etwas spürbar wird, das viele Gemeinden vermissen: Aufbruch. "Wir sind eine Truppe, die aus ihrer Komfortzone raus will", sagt Obernöder. "Wir wollen etwas anderes machen als die letzten Jahrzehnte." Dass dabei Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam Neues wagen, empfindet sie als großes Geschenk. "Da wächst gerade etwas heran", sagt sie. "Und das macht unheimlich viel Spaß."  

Das war der Auslöser

"Im Kirchenvorstand haben wir gemerkt: Wir wollen nicht einfach nur verwalten, sondern Gemeinde aktiv gestalten. Gleichzeitig haben wir gesehen, wie viele Menschen sich nach Hoffnung und echter Begegnung sehnen. Daraus entstand die Idee, einmal im Monat bewusst etwas anderes auszuprobieren – offen, kreativ und lebensnah. Dass wir das aktuell so gut umsetzen können, liegt vor allem daran, dass Haupt- und Ehrenamtliche als Team wunderbar zusammenarbeiten. Gerade diese Mischung macht vieles möglich."

08.06.2026
Timo Lechner